Zins
Zins ist das Entgelt für ein über einen bestimmten Zeitraum zur
Nutzung überlassenes Sach- oder Finanzgut, das der Empfangende (Schuldner) dem
Überlasser zahlt. Rechtliche Grundlage dazu sind Verträge (z. B.
Darlehensvertrag, Mietvertrag). Die Höhe des Zinses bestimmt sich in einer
Marktwirtschaft nach Angebot und Nachfrage.
Das Wort Zins steht einmal für den Zinssatz, angegeben in Prozent pro Intervall,
z. B. pro Jahr (häufig lateinisch p. a. oder per annum). Davon zu unterscheiden
ist der Zinsbetrag, also der konkrete Geldbetrag der sich bei Kreditzinsen aus
der Höhe des Kapitals und dem vereinbarten Zinssatz ergibt.
Zinseszins ist die Mitverzinsung desjenigen Zinses, der auf die Schuld
aufgeschlagen wird. Als Zinsstruktur bezeichnet man die Abhängigkeit des
Zinssatzes von der Dauer einer Geldanlage.
Nominalzins ist der für einen Kredit vereinbarte oder bezahlte Zinssatz,
Realzins der Zinssatz nach Abzug der Inflationsrate. Der Realzins kann negativ
sein, wenn die Inflationsrate höher ist als der Nominalzins. Siehe auch
Hauptartikel Reale Größe.
Kritik am Zins
Bei der Kritik ist zu unterscheiden zwischen
ethischen und ökonomischen Aspekten.
Ethisch-Moralische Zinskritik
Im Altertum, als Geld eine relativ
neue Sache war, wurde von den Intellektuellen der Zeit der Zins kontrovers
diskutiert. Altertümliche Texte erklären daher oftmals nicht, weshalb Zinsen „böse“
sind - Zu dieser Zeit war das Konzept „Zins = Böse“ eine Selbstverständlichkeit
unter den damaligen Intellektuellen, wie auch dem gemeinen Volk.
Bis zur Industrialisierung waren die allermeisten Menschen hauptsächlich
Selbstversorger und hatten nur in Ausnahmefällen genug Geld, um es
gewinnbringend zu verleihen, also einen Zins zu erhalten. Durch die erhöhte
Arbeitsteilung seit der Industrialisierung und der damit einhergehenden größeren
Abhängigkeit und Verwendung von Geld, ist fast jedes Mitglied der
industrialisierten Welt nun gleichzeitig Zinsnehmer und Zinsgeber, was der
moralischen Zinskritik viel von ihrer Beliebtheit genommen hat.
Aristoteles
Aus Aristoteles' „Politik“ 1. Buch, 1258b:
„So ist der Wucher (gemeint ist Zins) hassenswert, weil er aus dem Geld selbst
den Erwerb zieht und nicht aus dem, wofür das Geld da ist. Denn das Geld ist um
des Tauschens willen erfunden worden, durch den Zins vermehrt es sich dagegen
durch sich selbst.“
Jüdisch-Christliches Verbot
Aspekte zum Zins in Religionen werden im
Artikel Zinsverbot ausführlicher behandelt.
Im alten Testament wird Juden das Nehmen von Zinsen untereinander verboten, „Fremden“
gegenüber hingegen erlaubt. Christen wurde im Mittelalter durch Päpstliche
Erlasse das Nehmen von Zinsen generell verboten.
Aus dem Lukasevangelium, 6:35:
„Doch liebt eure Feinde, und tut Gutes, und leiht, ohne etwas wieder zu erhoffen,
und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er
ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.“
Islamisches Verbot
In einigen Staaten wird die Shariah so ausgelegt, dass jegliches Nehmen von Geldzinsen Wucher entspricht, und damit verboten ist. Kapitaleinkommen werden damit aber nicht generell verboten, beim Investment Banking wird vor allem Risikokapital (Eigenkapital, bsp. Aktien, englisch Stock) vermittelt, das Rendite über Gewinnbeteiligung produziert, anstelle wie im Westen üblich, größtenteils über Fremdkapital (festverzinsliche Wertpapiere, Darlehen, englisch Bonds).
Nationalsozialismus
Im Nationalsozialismus wurde von Gottfried Feder die Brechung der Zinsknechtschaft gefordert. Darunter verstand Feder, dass das deutsche Volk sich in einem kontinuierlichen Abhängigkeits- und Ausbeutungszustands durch die „Zionistische Weltverschwörung“ befinde.
Freiwirtschaftliche Kritik
Zinskritische Überlegungen gibt es auch im ökonomischen Bereich. Nach freiwirtschaftlicher Auffassung ist nicht der Zins das Problem, sondern die Liquiditätsprämie, die ein marktgerechtes Absinken des Zinsniveaus auf Null verhindert. In der Situation, in der das Zinsniveau die Liquiditätsprämie unterschreiten würde, würde nicht mehr investiert werden, "Geldhortung" bzw. Liquiditätsfalle, was die Umlaufgeschwindigkeit reduziert und zu deflationären Zuständen führen würde. Dies erzwinge ständiges Wachstum und Inflation, fördere damit den Raubbau an der Natur, verschärfe die soziale Frage und sei mitunter die Hauptursache von Massenarbeitslosigkeit. Die Freiwirtschaftslehre empfiehlt, die Liquiditätsprämie durch eine Umlaufgesicherte Währung zu neutralisieren und dadurch ein Absinken des allgemeinen Zinsniveaus auf Null zu erlauben.

