Zinssatz
Der Zinssatz ist der in Prozent ausgedrückte Preis für geliehenes
Kapital, also der Zins als Prozentangabe.
Manchmal wird präzise Zinsfuß und Zinssatz wie folgt unterschieden:
Zinsfuß p = Wert (z. B. 10)
Zinssatz i = p/100 (z. B. 0,1 = 10 %)
Man unterscheidet verschiedene Arten von Zinssätzen z.B.:
● Nominalzins: reiner Zinssatz, mit dem der Zinsbetrag errechnet wird
● Realzins: Bereinigung des Zinssatzes um die Wirkungen der Inflation
● Effektivzins: Einbeziehung von Auszahlungskurs, Nebenkosten und unterperiodigen
Zinszahlungen.
Nomenklatur
In der sich mit Zins und Zinssätzen beschäftigenden Literatur findet man sowohl die Bezeichnung i als auch die Bezeichnung r. Da mittlerweile sich jedoch international die Bezeichnung i durchzusetzen scheint, wird diese Bezeichnung hier verwendet.
Berechnungsmethoden
Allgemeine Zinsformel:
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oder:
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k = Kapital i = Zinssatz t = Tage
Zur korrekten Verwendung der Zinsformel bezüglich Tage (t) und Tageteiler (360)
ist immer auch die Angabe der Berechnungsmethode wichtig. Üblicherweise ist der
Zinssatz bezogen auf ein Jahr (= p.a.). Die Berechnungsmethode gibt nun an, wie
bei Laufzeiten unter einem Jahr zu verfahren ist. Es gibt folgende Methoden:
● 30/360 (Deutsche Methode): Das Jahr wird mit 360 Tagen gerechnet, jeder Monat
immer mit 30 Tagen
● act/360 (Euromethode od. Französische Methode): Das Jahr wird mit 360 Tagen
gerechnet, beim Monat zählen die tatsächlichen Tage (actual)
● act/365 (Englische Methode): Das Jahr wird mit 365 Tagen gerechnet, beim Monat
zählen die tatsächlichen Tage (actual)
● act/act (tagegenaue Methode): Sowohl das Jahr als auch der Monat werden mit den
tatsächlichen Tagen gerechnet (actual). Dabei wird die Zinsperiode aufgeteilt,
wenn Schaltjahre enthalten sind, und für jeden Teil werden die zugehörigen
Teiler verwendet. (Beispiel: 20. Dezember 2007 - 20. Januar 2008: 31 Tage,
aufgeteilt in 11 Tage / 365 und 20 Tage / 366)
Als Beispiel diene ein Zinssatz von i = 5% = 0,05 und ein Kapitalbetrag von k =
100.000,00 Euro. Das Geld wird vom 15.02.2008 − 15.03.2008 (= Schaltjahr)
angelegt. Damit ergeben sich folgende Zinszahlungen:
30/360: ![]()
act/360: ![]()
act/365: ![]()
act/act: ![]()
An den Geldmärkten im Euroland ist mittlerweile die Methode act/360 üblich.
Zinseszins-Effekt
Den Einfluss des Zinseszins-Effektes auf das Ergebnis zeigt ein einfaches
Rechenbeispiel: Wenn man einen Euro für ein Jahr zu einem Zinssatz von 100
Prozent anlegt und jährlich die Zinsen ausgezahlt bekommt, erhält man nach
Ablauf dieses einen Jahres 1 Euro Guthaben + 1 Euro Zinsen = 2 Euro. Bei einer
Zinsgutschrift alle 6 Monate werden dagegen nach einem halben Jahr für den
ersten Euro 0,5 Euro Zinsen gutgeschrieben und nach einem weiteren halben Jahr
für die ab jetzt insgesamt verzinsten 1,5 Euro weitere 0,75 Euro. Am Ende hat
man also ein Gesamtergebnis von 1 Euro Guthaben + 1,25 Euro Gesamtzinsen = 2,25
Euro. Bei monatlicher Ausschüttung erhält man nach Ablauf eines Jahres schon
2,61 Euro. Werden die Zinsen in immer kürzeren Intervallen gutgeschrieben und
mitverzinst, so strebt der Auszahlungsbetrag gegen einen Grenzwert von 2,718282
Euro. Dieser Wert wird Eulersche Zahl e ≈ 2,718282 genannt.
Jedem Zinssatz aus kontinuierlicher Verzinsung entspricht ein Zinssatz in
jährlicher Verzinsung (p. a.) nach folgender Formel:
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Ein jährlicher Zinssatz von 20% entspricht also einem kontinuierlichem Zinssatz
von 18,23%.
Für Zeiträume, die von einem Jahr abweichen, ist es oft günstiger, mit
Zinssätzen in kontinuierlicher Verzinsung zu rechnen.
Interner Zinsfuß
Der interne Zinsfuß ist derjenige Zinssatz, bei dem der Kapitalwert einer
Zahlungsreihe oder eines Projektes der Definition nach genau Null ist. Hieraus
lässt sich mithilfe der Methode des internen Zinsfußes schließen, ob die
Durchführung dieses Projektes vorteilhaft ist oder nicht. Vorteilhaft – und
daher einen positiven Kapitalwert liefernd – ist das Projekt immer dann, wenn
der Kalkulationszinssatz niedriger ist als der interne Zins, unvorteilhaft in
dem Falle, wenn der Kalkulationszinssatz höher liegt. Auch als Effektivzins oder
Internal Rate of Return (IRR) bezeichnet.
Kalkulationszinsfuß
Der Kalkulationszinsfuß oder Kalkulationszinssatz (engl. hurdle rate oder
required rate of return) wird in der Investitionsrechnung bei Discounted
Cash-Flow Analysen verwendet. Er bezeichnet die subjektive
Mindestverzinsungsforderung eines Anlegers an seine Investition und bestimmt,
wie stark weiter in der Zukunft liegende Zahlungen auf ihren Barwert abgewertet
werden. Der Kalkulationszinsfuß wird ermittelt, indem die Kapitalkosten oder
gewichteten Kapitalkosten um eine Risikoprämie erhöht (Investition) oder
vermindert (Kreditvergabe) werden.
Unter Berücksichtigung des Zeitwertes des Geldes wird deutlich, dass die
Forderung nach einer hohen Rendite gleichbedeutend mit der Forderung nach
riskanteren und kurzfristigeren Investitionen ist, da gegenwartsnahe Zahlungen
relativ stärker bewertet werden als spätere.
